Sonntag, 18. Januar 2009

Wo lässt sich die Ursache des UFO-Tabus verorten?

     Mit dieser Frage beschäftigten sich im vorangegangenen Jahr mehrere Publikationen. Initiiert wurde die Diskussion durch die These der US-amerikanischen Professoren Alexander Wendt und Raymond Duvall, die in einem Fachartikel der Zeitschrift Political Theory Argumente dafür vorbrachten, dass die öffentlich tabuisierte themenbezogene Kommunikation über das UFO-Phänomen politische Gründe habe.
     Im deutschsprachigen Raum wurde die Veröffentlichung zuerst von der Exopolitik-Initiative aufgegriffen und die Inhalte inklusive bereits in den USA geäußerter Kritik ins Deutsche übertragen. Auf der Basis der Arguemente Wendts und Duvalls wird schließlich die politische Zielsetzung der Initiative legitimiert.
     Der Originalartikel wurde bald darauf bei der Gesellschaft für Anomalistik e.V. als Studie des Monats vorgestellt, von wo aus auch der kostenfreie Zugriff auf eine Preprint-Version des Papers möglich ist.
     In diesem Rahmen entstanden dann auch Kommentare zur Studie und zur Berufung der Exopolitik-Initiative auf diese. Danny Ammon weist im Wesentlichen auf die Probleme des Originalartikels hin und stellt die Eignung der Thesen zur Legitimation der Arbeit der Exopolitiker in Frage.
     Ingbert Jüdt hat die entstandene Diskussion genutzt, um auf Basis des vorausgesetzten UFO-Tabus dessen Genese weitergehend zu analysieren. Seine Schlussfolgerung hierzu: »Das UFO-Tabu ist öffentlich, nicht politisch.«
     Im Folgenden betrachtet Ingbert Jüdt den konkreten öffentlichen Umgang mit dem UFO-Thema anhand der zwei sich diametral gegenüberstehenden Deutungen des ideologischen Skeptizismus und der bereits thematisch involvierten Exopolitik-Initiative. Dieser Abschnitt realisiert im Kleinen eine Diskursanalyse UFO-bezogener Debatten und ist damit eine gute Grundlage für das hier betrachtete Thema.
     Die im Kommentar von Ingbert Jüdt ausgeführte Untersuchung und die Roswell-Diskursanalyse eint schließlich das Plädoyer für ein technisches Diskursgedächtnis als Kern für die Etablierung diskursethischer Verhaltensmaßstäbe in der UFO-Debatte — ein in der Tat dringend notwendiges Konzept.

Freitag, 14. November 2008

Technische Spezifikationen der initialen Verarbeitung relevanter Quellen

     Die digitale Textbasis als Grundlage der Diskursanalyse wird durch Scannen der papierbasierten Originalquellen und Übertragung in das DocBook-Format erstellt.
     Der erste Titel wurde dazu testweise manuell in einem XML-Editor bearbeitet, dies hat sich jedoch als wenig rationelle Vorgehensweise erwiesen.
     Daher soll im anstehenden Arbeitsschritt des Projekts ein Werkzeug auf der .NET-Plattform geschaffen werden, mit dem zunächst der Textkorpus für DocBook automatisch vorformatiert (z.B. jeder Zeilenumbruch in ein para-Tag gewrappt) und in einer Datenbank abgelegt wird. Als Datenbankmanagementsystem dient dabei zunächst SQL Server 2005. Das Formatierungstool entsteht in C# und .NET 3.5. Zur Datenbankanbindung wird die Linq-Schnittstelle genutzt. Für den in Zukunft anstehenden kooperativen Gebrauch wird der proprietäre SQL Server dann durch ein Opensource-DBMS ersetzt. Eine Linq-Schnittstelle ist beispielsweise für MySQL in Entwicklung. Damit sollte es möglich sein, die Datenhaltung vollständig in die lizenzfreie Welt zu portieren und möglicherweise auch ein Web-Interface zu erstellen, über das auf die grundlegenden Daten für die Analyse dann zugegriffen und Abfragen gestellt werden können.
     So ist es möglich, für die UFO-Forschung eine Art technisch unterstütztes Diskursgedächtnis zu schaffen, das im Anschluss an diskursanalytische Untersuchungen auch zur Etablierung diskursethischer Regeln beitragen kann. Näheres hierzu wird in Kürze auf diesem Blog erscheinen!

Montag, 26. Mai 2008

Roswell-Diskursanalyse: Potentiale und Perspektiven

     Welche Untersuchungen können mit digitalen und strukturierten Aussagen zum Roswell-Fall durchgeführt werden? Möglich ist die Ermittlung und Darstellung von Referenznetzen themenbezogener Aussagen. Solche Referenznetze können dann sprachanalytisch untersucht werden – es können Einflüsse aus Belief- und Disbelief-Systemen auf die Argumentation ebenso wie pragmatische Bedeutungen in den Aussagen (z.B. implizite oder explizite »politische« Aussagen, welche die Auseinandersetzung mit dem Sachthema kontaminieren) oder vertrauensabhängige Bewertungen identifiziert werden. An die Sprachanalyse von Referenznetzen anschließen kann sich dann der Versuch einer Skalierung von Aussagen hinsichtlich Graden der Subjektivität und nicht zuletzt eine Untersuchung von noch nicht ausformulierten Fragestellungen aus der Community. Das gruppenübergreifende Projekt baut spätestens ab diesem Punkt also auf die gemeinsame Erarbeitung von Forschungsfragen!
     Wenn sich das Verfahren, so wie es hier vorgestellt wurde und wird, im Verlauf des Forschungsprojekts bewähren sollte, dann kann es in der UFO-Forschung generell für die Dokumentation der Bewertungsgeschichte von Fällen zum Einsatz kommen. Solch eine Methode dürfte sich vorzugsweise bei besonders kontroversen Fällen aus der UFO-Geschichte lohnen. Die eingesetzten technischen Verfahren können außerdem die Vorstufe zu einem Dokumenten-Managementsystem darstellen, welches die von Christian Czech initiierte, ebenfalls in Kooperation der UFO-Forschungsgruppen gepflegte UFO-Datenbank ergänzen kann.
     Allgemein lässt sich sagen, dass EDV-Techniken unter den Bedingungen herabgesetzter Publikationshemmnisse im Zeitalter von Printing-on-demand und Web-Publikationen dazu beitragen, die Informationsflut zu einem Thema zu strukturieren und zugänglich zu halten. Die Anwendung derartiger Techniken unter Bezug auf sozial- und sprachwissenschaftliche Methoden der Analyse von Kommunikation zu einem Einzelfall ist in dieser Form in der Forschung zum UFO-Phänomen neuartig und verspricht einen methodischen und inhaltlichen Fortschritt, der als konstruktive gemeinschaftliche Arbeit nur zu begrüßen sein kann. Details und Ergebnisse des Vorgehens können dann unter anderem an dieser Stelle einer Veröffentlichung zugeführt werden.

Montag, 12. Mai 2008

Details zur Erstellung und Verfeinerung einer digitalen Textbasis zum Roswell-Diskurs

     Grundlage des Vorgehens bei diesem Forschungsprojekt ist die Erstellung einer digitalen, computernavigierbaren Textbasis aus allen fachlichen Veröffentlichungen zum Thema. Das bedeutet je nach der Form, in welcher der entsprechende Text vorliegt, einen unterschiedlich hohen Arbeitsaufwand: Gedruckte Texte, allen voran die zahlreichen Monografien, müssen Schritt für Schritt gescannt und mit Hilfe einer Texterkennungs-Software (die aus den durch den Scan erhaltenen Bilddaten über eine automatische Analyse der enthaltenen einzelnen Buchstaben den Text extrahiert) in ein bearbeitbares Textformat gebracht werden. Aus bereits digital vorliegenden Veröffentlichungen muss dagegen lediglich der reine Text entnommen werden. Diese Rohtexte, gescannt oder digital extrahiert, sind dann in Form von txt-Dateien verfügbar, denen – um den unterschiedlichen Sprachen, in denen die Originalpublikationen verfasst wurden, gerecht zu werden – die internationale Zeichensatzkodierung UTF-8 zugrundeliegen soll.
     Im nächsten Schritt sollen die Texte weiter strukturiert werden. Dazu eignen sich bestimmte Formate der Auszeichnungssprache XML, die speziell für natürlichsprachige Dokumente entworfen wurden. Eines dieser Formate ist DocBook, das zur Strukturierung von Texten dient, die als Bücher, Artikel oder Dokumentationen (meist aus dem technischen Umfeld) verfügbar gemacht werden sollen. DocBook soll in diesem Projekt als Ausgangsformat der Analyse dienen und den textbasierten Dokumenten in digitaler Form eine maschinenles- und verarbeitbare Struktur verleihen.
     Darauf aufbauend werden die elektronisch vorliegenden Texte in das topic-orientierte DITA-Format (Darwin Information Typing Architecture) überführt, das ebenfalls ein XML-Derivat zur Auszeichnung natürlichsprachiger Texte ist, gegenüber DocBook aber eine Verfeinerung darstellt, indem es eine weitere Strukturierung und Auszeichnung der Textbestandteile erlaubt. Das Ziel dieser in mehreren Stufen ablaufenden Auszeichnung der Texte ist die Erarbeitung einer Verweisstruktur von Aussagen auf der Basis der kodierten Textbausteine.
     In einem weiteren Arbeitsgang kann dann die Übertragung der zweitkodierten Textbausteine in eine relationale Datenbank erfolgen. Dabei werden die Auszeichnungen, die den einzelnen Bestandteilen der Texte im XML-Format zugeordnet wurden, zur Grundlage der Ordnung und Strukturierung der Textteile in Datenbanktabellen.
     Mit dem letzten Schritt wurde die digitale Textbasis endgültig in ein automatisiert analysierbares Format gebracht: Auf der Datenbank können beliebige Abfragen definiert werden, welche genau die gewünschten Teilaussagen des integrierten Textkorpus zurückliefern. Der Weg ist gebahnt für eine tiefgehende Diskursanalyse.
     Aufgrund des Umfangs der beschriebenen Aufgaben wird allerdings sehr schnell deutlich, dass die Einbeziehung des gesamten verfügbaren Textkorpus – dazu zählen alle Monografien, Aufsätze sowie Stellungnahmen im Internet zum Roswell-Fall – in das Projekt einen sukzessiv ablaufenden Charakter haben muss. Die Textbasis wird Schritt für Schritt entstehen und während das geschieht, wird in diesem Blog ebenso Schritt für Schritt über die weiteren Details des Projekts und seinen aktuellen Status berichtet werden.

Samstag, 3. Mai 2008

Analyse des Roswell-Diskurses: Anspruch und Zielsetzung

     Ausgangspunkt des Forschungsprojekts ist die Wahrnehmung kognitiver »Parallelwelten«. Gemeint ist damit die gleichzeitige Existenz starker Überzeugungen von der Wahrheit einander ausschließender Aussagen – ein Charakteristikum gerade für Themen der Anomalistik: Üben Himmelskonstellationen einen Einfluss auf individuelle und gemeinschaftliche Haltungen und Prozesse aus oder wird dieser Einfluss im Rahmen der Ausübung von Astrologie lediglich konstruiert? Gibt es Belege und mögliche theoretische Modelle für die Existenz noch unbekannter menschlicher Fähigkeiten wie außersinnlicher Wahrnehmung bzw. Psychokinese oder sind solche Postulate nachweislich die Folge von Betrug, Selbsttäuschung und persönlicher Erwartung? Und nicht zuletzt eben: Verbergen sich hinter den Aussagen über Sichtungen von nicht identifizierten Erscheinungen am Himmel ein oder mehrere noch unbekannte, vom menschlichen Erleben losgelöste Phänomene oder lassen diese Daten sich plausibel bereits bekannten Objekten und Charakteristika der menschlichen Wahrnehmung zuordnen?
     Um diese Eigenschaft des Umgangs mit Themen der Anomalistik im hier besprochenen Projekt näher zu untersuchen, soll eine »Argumentationsdatenbank« zu einer zentralen Kontroverse der UFO-Forschung erstellt werden. In dieser Datenbank sollen schließlich alle öffentlichen Aussagen in Bezug auf einen Einzelfall in strukturierter und formal analysierbarer Form hinterlegt sein. Als ein solcher Einzelfall mit herausragender Stellung, dessen Daten, Verarbeitung und Kommentierung eine relative Abgeschlossenheit aufweisen, wird hier die Kontroverse um den so genannten Roswell-Zwischenfall herangezogen.
     Zu den öffentlichen Aussagen in Bezug auf diesen Fall soll eine sozialwissenschaftliche Diskursanalyse durchgeführt werden. So wird ein reflexiver Zugang zu den fallbezogenen Argumentationsmustern gestattet. Dies bedeutet nichts Geringeres als einen Versuch der Initiierung einer »Kommunikation über Kommunikation« in der UFO-Szene! Das Ziel liegt dabei in einer Verständigung über die jeweils geltenden Akzeptanzbedingungen von Sachbehauptungen – ein Schritt der, wenn er konsequent gegangen wird, sachbezogene gruppen- und meinungsübergreifende Verständigungs- und Argumentationsprozesse nicht nur prinzipiell ermöglicht, sondern diese auch auf einer fachlich adäquaten Basis ausdrücklich fördert.
     Nicht zuletzt besteht der Anspruch dieses Projekts aber auch in einem (weiteren) Versuch einer inhaltlichen Bewertung des Sachthemas »Roswell«. Die Tatsachen, Meinungen und Gerüchte um den vermeintlichen UFO-Absturz im Jahre 1947 rufen mit immer neuen Ausläufern nach wie vor reges Interesse hervor und es ist längst kein Ansatz zu einem abschließenden Meinungsbildungsprozess – ob szenenintern oder -extern – in Sicht.
     Details zum Vorgehen, den jeweils aktuellen Status und erwartete Ergebnisse dieses gruppenübergreifenden Projekts zur UFO-Forschung finden Sie in Kürze hier in diesem Blog!

Donnerstag, 1. Mai 2008

Erstes gruppenübergreifendes Forschungsprojekt initiiert

     Im Zuge der verstärkten Kooperation und gemeinsamen Erforschung des UFO-Phänomens, die durch die in Deutschland aktiven Gruppen DEGUFO, Exopolitik, GEP und MUFON-CES angestrebt wird und über die erstmals im Rahmen der am 12. und 13. April diesen Jahres in Erfurt stattgefundenen DEGUFO-Tagung öffentlich berichtet wurde, ist ein erstes gruppenübergreifendes Forschungsprojekt initiiert worden, das hauptsächlich von der DEGUFO und der GEP bearbeitet werden wird. Ideengeber, Initiator und Hauptverantwortlicher des Projekts ist Herr Ingbert Jüdt, sowohl DEGUFO- als auch GEP-Mitglied, der sich von der gemeinsamen Arbeit am Projekt gruppenübergreifend konstruktive Ideen, Hinweise und Kritik erhofft.
     Dieser Blog wird das Voranschreiten des Projekts begleiten und soll dazu dienen, Idee und Ausführung des Projekts öffentlich verfügbar aufzubereiten und darzustellen, die Forschungsansätze zu beschreiben, den jeweiligen Projektstatus wiederzugeben sowie auf aktuelle Publikationen im Zusammenhang mit dem Projekt hinzuweisen.
     In den nächsten Posts wird sukzessive auf Ansprüche, Arbeitsmethodik und Perspektiven des Projekts eingegangen werden. Sachliche Kommentare sowie Meinungsäußerungen und konstruktive Kritik sind – auch außerhalb der beteiligten Forschungsgruppen – jederzeit erwünscht!